Evangelische Kirchengemeinde Laufenburg
 
 

Protokollbuch der Gemeinde
Das 140 Jahre alte Protokollbuch fiel dem Autor in die Hände, als er im Archiv der Kirchengemeinde etliche Bände durchblätterte, die aussortiert werden sollten. Auf einmal entdeckte er ein schmales, blau eingeschlagenes Heft - so groß wie früher die Schulhefte -, in dem drei Jahre lang die Versammlungen der evangelischen Gemeinde von Laufenburg/Schweiz und Kleinlaufenburg - so hieß bis 1930 das rechtsrheinische Laufenburg/ Baden - protokolliert waren. Älteres Schriftgut ist in diesem Archiv nicht vorhanden.
Bevor auf den Inhalt eingegangen wird, einige Vorbemerkungen zur konfessionellen Entwicklung am Hochrhein. Seit dem Westfälischen Frieden von 1648, der den 30-jährigen Krieg beendete, galt reichsrechtlich, dass es katholische und evangelische Herrschaften gab, in denen sich jeder Untertan der jeweils gültigen Konfession unterzuordnen hatte. Im katholischen Vorderösterreich der Habsburger mit den vier Waldstädten Waldshut, Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden und der Grafschaft Hauenstein durfte nur ansässig sein, wer sich zum „alten Glauben“ bekannte, im Markgräflerland der Markgrafen von Baden-Durlach nur, wer den „neuen Glauben“ beschwor.
Diese flächenhafte konfessionelle Aufteilung hatte bis zum Beginn  des 19. Jahrhundert Bestand, als Napoleon die politische Landkarte durcheinander brachte und neu ordnete. Von seinen Gnaden bildete sich auch 1806 das Großherzogtum Baden heraus, zu dem mit dem Breisgau und dem habsburgischen Südschwarzwald bis zum Hochrhein nun auch weite Teile des vormaligen Vorderösterreichs gehörten. Im Großherzogtum galt fortan die Religionsfreiheit für Protestanten und Katholiken - später auch für Juden - und das Recht, sich überall im Lande niederzulassen. Die neu geschaffenen Verwaltungsbezirke Säckingen und Waldshut waren zu Beginn rein katholisch, doch aus dem Norden mit den evangelischen Schwerpunkten Karlsruhe, Pforzheim und Heidelberg kamen die ersten protestantischen Lehrer und Beamte. Bald folgten Arbeiter, Ingenieure, Kaufleute und Fabrikanten. Der zaghafte Anfang einer konfessionellen Durchmischung war damit getan.
Seit 1850 wurden in Säckingen Privatgottesdienste in Häusern gefeiert, fünf Jahre später zum ersten Mal öffentlich das Osterfest. 1859 zog mit Pfarrer Karl Christoph Siegrist der erste Geistliche der badischen Landeskirche in der Bezirksstadt auf, der auch ein weites Umland zu betreuen hatte. Zum Glück half ihm dabei schon die Eisenbahn, denn die Strecke Basel, Badischer Bahnhof, -Waldshut war drei Jahre zuvor eröffnet worden.

In Kleinlaufenburg erteilte Pfarrer Siegrist seit 1860 evangelischen Religionsunterricht. Als das Geburtsdatum der hiesigen Kirchengemeinde kann jedoch das Jahr 1868 gelten, als am Pfingstmontag 90 Gläubige aus der Stadt und dem Umland im Ratssaal zusammengekommen waren. Seitdem gab es jeden Monat einen Gottesdienst, und nachdem Waldshut 1870 einen eigenen Seelsorger erhalten hatte, sogar alle zwei Wochen.
Es ging um das liebe Geld, weshalb am 03. November 1869 in der „Krone“ - heute Bückle - in Kleinlaufenburg eine Gemeindeversammlung einberufen wurde.
Mit Blick auf die neue Pfarrei in Waldshut hatte Pfarrer Siegrist mitgeteilt, dadurch werde - weshalb aber auch? - „die regelmäßige Abhaltung des Gottesdienstes und Religionsunterrichts hier in Frage gestellt, wenn die Protestanten - beider - Laufenburg und Umgebung nicht die hierzu erforderlichen Mittel bewilligen könnten.“ Unter Leitung des Präsidenten der Versammlung Laroche - wohl der Schweizer Bankier, der später sein Gartenhaus samt Gelände an das Ehepaar Codman verkaufte - unter seiner Leitung wurde betont, das sei bei der großen Zahl der Glaubensgenossen „als nothwendiges Bedürfniß anerkannt“ und man dürfe keine Kosten scheuen. Das nötige Geld ergäbe sich aus dem Opfer am Schluss des Gottesdienstes und durch freiwillige Beiträge. Pfarrer Siegrist solle für „Kosten und Mühewaltung“ jährlich 140 Gulden erhalten. Damals ein stattlicher Betrag, den ein Arbeiter bestenfalls im Jahr verdiente, ein Taglöhner noch weniger. Am 7. November 1869 stimmte die evangelische Gemeinde Säckingen dem zu, probeweise für ein Jahr.
Am 15. Januar 1871 versammeln sich 16 Kirchenmitglieder im Gasthof „Adler“ in Großlaufenburg. Zum Präsidenten wird wieder Herr Laroche gewählt, dazu noch drei weitere Personen als Mitglieder des Vorstands: Alfred Großmann, Johannes Thommen und Louis Müller. Der Aktuar Wittich legt die Abrechnung für 1870 vor, die mit einem Überschuss von 51 Franken abschließt. Die vorhandene Barschaft von 100 Franken wird bei der Sparkasse Großlaufenburg angelegt, befürwortet man einstimmig. Der letzte Protokolleintrag stammt vom 17. März 1872. Der Kassier Louis Müller legt die Rechnung für 1871 vor, die mit einem Barsaldo von 64 Franken oder 69 Gulden endet. Er teilt mit, von Pfarrer Siegrist sei als Gabe des protestantischen Frauenvereins Lahr - als einst hessische Stadt ist sie reformiert - seien 25 Gulden eingegangen „zur Anschaffung sogenannter Heiliger Gefäße“, also Tauf- und Abendmahlsgerät.

Und wie ist die Geschichte weitergegangen? Hier nur einige Stichworte. Noch 1872 wurde ein Kirchenbaufonds geschaffen. Nachdem der Schweizer Fabrikant Nüßli-Näf - Seidenspinnerei im heutigen Laufenpark - an der Markungsgrenze zu Rhina und an der Reichsstraße Säckingen-Waldshut ein Grundstück geschenkt hatte, konnte für 23.00 Mark eine schlichte Kirche samt Glockentürmchen errichtet werden, das heutige Kirchenschiff mit Chor. Das Gustav-Adolf-Werk unterstützte den Bau, ebenso Gemeinden aus der Schweiz und Baden. Am 21. August 1887 konnte in dem Neubau der erste feierliche Gottesdienst begangen werden
1910 wurde dann eine Pastorationsstelle eingerichtet, vier Jahre später die Pfarrei Kleinlaufenburg von Säckingen gelöst.
Der erste ständige Pfarrer hieß Willi Kolb. Er hatte 700 Evangelische zu betreuen, 150 in Kleinlaufenburg, 250 in Murg, weitere lebten in Albbruck und in Tiefenstein. Insgesamt gehörten damals 30 Ortschaften zum Kirchenbezirk, in denen rund 15.000 Katholiken ansässig waren. 1928 konnte das Pfarrhaus bezogen werden, 1936-39 wurde das Westwerk mit dem Turm hochgezogen. Der uns vertraute Baumkomplex war damit komplett.
             Kirche und Pfarrhaus 1938


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