Evangelische Kirchengemeinde Laufenburg
 
 

Geschichte Teil 2

Zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Laufenburg/Baden

Teil 2
 

Das Geburtsdatum der evangelischen Kirchengemeinde Laufenburg lautet Pfingsten 1868, als zum ersten Mal im Rathaussaal ein Gottesdienst stattfand. Seitdem fand die Gemeinde einmal im Monat, bald auch jeden zweiten Sonntag zusammen. Um ein eigenes Gotteshaus zu erlangen, wurde 1872 ein Kirchenbaufonds eingerichtet, der Spenden sammeln sollte. Nachdem der Fabrikant Nüßli-Naef an der Markungsgrenze zu Rhina ein Grundstück geschenkt hatte, konnte für 23.000 Mark eine schlichte Kirche für 200 Personen gebaut werden, das heutige Kirchenschiff. Am 21. August 1887 wurde darin der erste feierliche Gottesdienst gefeiert. Übrigens: Drei Jahre zuvor war die neugotische Heilig-Geist-Kirche der Katholiken geweiht worden.

Der evangelische Pfarrer in Säckingen betreute weiterhin auch den Laufenburger Bezirk. 1910 wurde dann eine Pastorationsstelle geschaffen und mit Pfarrer Stephan besetzt, der für Kleinlaufenburg – so hieß das Städtle damals noch -, Albbruck, Tiefenstein und für das schweizerische Laufenburg zuständig war. Die zuletzt genannte Zuständigkeit wurde Ende des Ersten Weltkriegs abgelöst. Pfarrer Stephan kümmerte sich in 30 Ortschaften um gerade einmal 700 Evangelische, von denen 150 in Kleinlaufenburg und 250 in Murg lebten, unter rund 15.000 Katholiken.

Im Jahre 1914 wurde die Pfarrei Kleinlaufenburg von der in Säckingen losgelöst. Der erste ständige Pfarrer war Willi Kolb (1918-1929). Er hat einmal sehr anschaulich seine Diasporagemeinde beschrieben: „Nun lade ich die lieben Glaubensgenossen ein, mit mir eine Wanderung durch unsere ausgedehnte Pfarrei zu machen.

Vom Bahnhof aus ist man in wenigen Minuten bei dem Kirchlein droben, von dem aus sich ein herrlicher Ausblick bietet auf die malerisch liegenden Schwesterstädte Klein- und Großlaufenburg, die jahrhundertelang Freud und Leid teilten, die aber jetzt durch eine scharfe Grenzkontrolle auseinandergerissen sind – leider auch im kirchlichen Leben der evangelischen Glaubensgenossen. Das Kirchlein selbst ist schlicht, aber doch traulich. Hochherzige Stiftungen von Gemeindemitgliedern haben vor zwei Jahren die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung und die Anschaffung eines Kronleuchters ermöglicht; aber bald entdeckt man auch allerhand Mängel; das größere der beiden Glöcklein und ein Teil der Orgelpfeifen sind dem bedrängten Vaterlande geopfert worden. Der Kirchengemeinderat hat Bedenken, den zierlichen, wackeligen Dachreiter wieder mit einer zweiten Glocke zu belasten. (...)

Trotz aller Mängel gefällt es uns doch in unserem Kirchlein, wenn an den Festtagen eine andächtige Gemeinde versammelt ist und der 1919 gegründete Kirchenchor seine Weisen erschallen lässt, oder wenn an Weihnachten die Kinderschar sich um den Christbaum sammelt und die Gemeinde mit Festspiel und Liedern erfreut, um dann beschenkt und beglückt heimzukehren. (....) Durch die enge Gasse des mittelalterlichen Städtchens kommen wir zum Rathaus, das mit seinem Torbogen die Straße überspannt; es ist zugleich das Schulhaus. Hier wird der Religionsunterricht und im Winter auch der Konfirmandenunterricht erteilt, der von Kindern der ganzen Pfarrei besucht wird; einige Kinder kommen drei Stunden weit her, von Görwihl, mit Auto und Bahn, der Gustav-Adolf-Verein ermöglicht ihnen durch Erstattung der erheblichen Reisekosten den Besuch des Unterrichts.“

Pfarrer Kolbs Wegbeschreibung führt dann über Rhina nach Murg. „Hier ist der einzige evangelische Lehrer der Pfarrei; er gibt auch in Kleinlaufenburg neben dem Geistlichen Religionsunterricht; hier übt der Kirchenchor, der zum größten Teil aus Murger Gemeindemitgliedern besteht, und im Winter werden hier Bibelstunden gehalten, da älteren Leuten der Weg zur Kirche zu beschwerlich ist. Eine Wanderung durch das romantische Murgtal, am Wieladinger Schloß vorbei, führt uns in drei Stunden nach Hottingen. Hier erhalten vier evangelische Kinder monatlich eine Religionsstunde vom Geistlichen; früher besuchten sie den katholischen Religionsunterricht, was in der Diaspora nicht selten vorkommt.“

Zurück geht es über Hänner und Binzgen. Dann wird Albbruck besucht. Dort wird in der Kantine der Papierfabrik jeweils am zweiten Sonntag im Monat Gottesdienst gefeiert. Im Schulhaus erhalten 15 Kinder der umliegenden Ortschaften einmal in der Woche eine Religionsstunde. Von Albbruck führt eine schöne Kunststraße nach Tiefenstein im Albtal. „Zu dem monatlichen Gottesdienst kommen die Evangelischen zum Teil stundenweit her, die meisten aus dem hochgelegenen Görwihl, dem Endpunkt der Autolinie Albbruck-Görwihl. Als Gottesdienstlokal hat die Firma Streiff einen Raum ihres Bürogebäudes zur Verfügung gestellt, in dem auch die wöchentliche Religionsstunde stattfindet. Um das teure Fahrgeld für das Auto zu sparen, kehren wir danach über Schachen und Hochsal in zweistündiger Wanderung nach Kleinlaufenburg zurück.“

Der zweite Pfarrer der evangelischen Gemeinde Laufenburg war von 1930 bis 1963 Oskar Müller, der Vater unseres geschätzten Organisten. Er konnte schon in das Pfarrhaus neben der Kirche einziehen, das am Erntedankfest 1926 eingeweiht worden war.

Nach einem Entwurf von Professor Bartning aus Berlin wurde von 1936-1939 der breite Westturm vor das Kirchenschiff gesetzt und der Dachreiter abgebrochen. Im obersten Geschoss, das mit hohen Fenstern versehen ist, hängen seitdem vier Glocken. Den Abschluss bildet ein einfaches Pultdach. Damit war unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg das bis heute gültige Bauensemble von Kirche, Turm und Pfarrhaus geschaffen.

Nach Kriegsende kamen mit den Heimatvertriebenen viele Evangelische an den Hochrhein und in den Hotzenwald und halfen, die Diasporasituation zu beenden. Schon 1956 konnte Albbruck als eigene Pfarrei abgetrennt werden. 1963 zog mit Pfarrer Helmut Bösenecker der dritte Pfarrer auf und blieb genau 30 Jahre seiner Gemeinde treu. Zwei Jahre später wurde Tiefenstein Görwihl zugewiesen, und 1977 trennte sich in einem schmerzhaften Prozess Murg von Laufenburg. Seitdem entspricht die evangelische Gemeinde Laufenburg mit ihren derzeit rund 1.600 Mitgliedern – das sind immerhin 20 % der Gesamtbevölkerung – der politischen Gemeinde. Mit Ausnahme von Hauenstein, dessen Protestanten sich bei einer Abstimmung für Albbruck entschieden haben.

Ein einschneidendes Ereignis war der Schwelbrand, der am Weißen Sonntag des Jahres 1970 weite Teile der Kirche verwüstete. Am Dienstag, dem 7. April, berichtete der „Südkurier“: „Am Sonntag zwischen 11 und 11.30 Uhr wurde in Laufenburg Feueralarm gegeben. Dicke Rauchschwaden drangen aus der evangelischen Kirche in Höhe des Daches beim Kirchturm. Die Löschzüge 1 und 2 der Laufenburger Wehr hatten bei der Brandbekämpfung Schwierigkeiten, da es sich um einen Schwelbrand handelte und sich im Kircheninnern ein beißender Qualm entwickelt hatte. Gasmasken nützten so gut wie nichts.

Wehrmänner aus Laufenburg (Schweiz), mit schweren Atemschutzgeräten ausgerüstet, drangen zum Hauptbrandort vor. Das Feuer war im Heizungsraum im Keller der Kirche entstanden. Die Flammen schlugen den Heizungsschacht empor und griffen auf die Warmluftkanäle in der hölzernen Empore über, wo sie reichlich Nahrung fanden. Von den Wehrmännern mußte vom Dach und von den Wänden her Zugang zu dem Brand geschaffen werden. Der Sachschaden ist groß, da ein Teil des Daches, die Empore und die Orgel sowie andere Einrichtungen und Mobilar vernichtet wurden.“

Dies war ein harter Schlag für die Gemeinde, für den Kirchengemeinderat und für Pfarrer Bösenecker. Es dauerte immerhin zwei Jahre, bis alle Schäden behoben waren. Am 16. April 1972 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden, zugleich erhielt sie den Namen Versöhnungskirche. Der Künstler Emil Jo Homolka hatte Taufstein und Kanzel im abstrahierenden Stil aus Bronze gegossen. Der renommierte Glaskünstler Prof. Johannes Schreiter aus Frankfurt am Main, den man bei den Kunstbegegnungen in Öflingen kennengelernt hatte, schuf die abstrakten Glasfenster, die einen Glanzpunkt in unserer Kirche bilden.

Drei Jahre danach konnte im Pfarrhaus durch einen Anbau ein kleiner Saal entstehen, der das Pfarrzentrum abrundet.

Der vierte Pfarrer war Eberhard Günther (1993-2000), ihm folgte als fünfter Detlev Jobst. Sie haben beide den Dialog mit den katholischen Schwestern und Brüdern gesucht, das Miteinander der Gläubigen beider großer Konfessionen in Deutschland. Die Grundlagen der gelebten Ökumene hatten bereits die Pfarrer Bösenecker und Kirchgäßner angelegt. Ein besonders sinnfälliger Ausdruck dieses Miteinanders ist jedes Jahr der gemeinsam gestaltete Gottesdienst am Erntedankfest.


-Martin Blümcke-

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