Evangelische Kirchengemeinde Laufenburg
 
 

Geschichte Teil 1

Zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Laufenburg/Baden


Teil 1

Vor fast fünfhundert Jahren erschütterten die Aufstände der Bauern, unter dem Namen Bauernkrieg zusammengefasst, und die Reformation das alte deutsche Reich. Bei der konfessionellen Entscheidung bestimmte der jeweilige Herrscher oder der Rat der Reichsstädte, ob man katholisch bleiben oder den "neuen Glauben" annehmen wollte. Der in Latein formulierte Rechtsgrundsatz hieß "eius regio, cuius religio", und er besagt eben, dass die Herrschaftsausübung in der Region im Land, und die Festlegung der Religion zusammengehören.

Für die Habsburger gab es dabei kein Taktieren und Nachgeben, sie standen unverbrüchlich auf der Seite der römisch-katholischen Kirche und des Papstes. 1521 war Dr. Balthasar Hubmayer, ein radikaler Wiedertäufer, Pfarrer in Waldshut geworden. Die Stadt hatte sich mit den Bauern verbündet und musste nach deren Niederlage und blutigen Gefechten vor der Stadt den österreichischen Truppen die Tore öffnen; zur Strafe verlor Waldshut alle seine Privilegien. Pfarrer Hubmayer konnte über den Rhein fliehen, wurde aber später gefangen genommen und am 6. Dezember 1525 in Wien auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die bekannten vier habsburgisch-vorderösterreichischen Waldstädte, zu denen auch Laufenburg gehörte, blieben also beim alten Glauben, wie auch die Grafschaft Hauenstein, also weite Teile des Hotzenwalds, weiterhin das reiche Kloster St. Blasien, das unter der Schutzherrschaft der Habsburger stand, und deren Breisgau. Im heutigen Südbaden gab es nur zwei Gebiete, die letztlich evangelisch wurden: Hochberg-Emmendingen und das Markgräflerland mit dem Vorort Lörrach. Das war Untertanenland der protestantischen Markgrafen von Baden-Durlach, die später ihren Sitz nach Karlsruhe verlegten.

In der benachbarten Eidgenossenschaft wurde der noch ungeteilte Kanton Basel evangelisch, ebenso wie die Berner Partrizier, die auch ihr Aargauer Untertanenland reformierten. Als nach 1802 die habsburgische Herrschaft Laufenburg links des Rheins der helvetischen Republik zugeschlagen wurde, da war das für die Katholiken, die sich zuvor noch im barock-katholischen Staat der Kaiserin Maria Theresia wohl gefühlt hatten, so etwas wie ein Kulturschock, denn nun waren sie eine konfessionelle Minderheit in protestantischer Mehrheit im neu gebildeten Kanton Aargau.

Diese flächenhafte konfessionelle Gliederung hatte bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Gültigkeit. Nachdem 1806 das Großherzogtum Baden entstanden war, galt Religionsfreiheit und für Protestanten wie Katholiken das Recht, sich überall im Land niederzulassen. Die neu geschaffenen Verwaltungsbezirke Säckingen und Waldshut waren rein katholisch, doch aus dem Norden kamen die ersten evangelischen Beamten. Der zaghafte Anfang einer konfessionellen Durchmischung war damit getan. Bald folgten Lehrer, Ingenieure oder Kaufleute.

Seit dem Jahr 1850 wurden in Säckingen in Häusern Privatgottesdienste gefeiert, fünf Jahre später zum ersten Mal öffentlich das Osterfest. 1859 zog mit Pfarrer Siegrist der erste evangelische Geistliche in der Bezirksstadt auf, der auch ein weites Umland zu betreuen hatte. Im Auftrag der Gemeinde entwarf bald der Basler Architekt O. Schönberger für 300 Personen eine Kirche, die am östlichen Rand von Säckingen gebaut werden sollte. Der Basler Pfarrer Le Grand sammelte eine beträchtliche Summe, und Pfingsten1862 konnte der Grundstein gelegt werden. Dieser Stein umschloss eine Bibel, einen Katechismus der unierten badischen Landeskirche, eine Münze mit dem Bild des Großherzogs Friedrichs I., ein Brot und eine Flasche Rotwein.

Zur Einweihung am 25. November 1863 kamen Pfarrer Le Grand sowie bekränzte Wagen aus dem unteren Wiesental, das herkömmlich evangelisch war. Bei der Feier brachte Oberlehrer Villinger ein Hoch aus "auf bleibende, für das allgemeine Wohl nur förderliche konfessionelle Eintracht".

In Kleinlaufenburg, wie das Städtle bis Ende der 1920erJahre hieß, erteilte Pfarrer Siegrist seit 1860 sechzehn Kindern Religionsunterricht. Das Geburtsdatum der evangelischen Gemeinde hier lautet 1868. Am Pfingstsonntag fand nämlich der erste Gottesdienst im Rathaussaal statt, zu dem 90 Gläubige aus der Stadt, aus Murg und anderen Gemeinden gekommen waren. Der Pfarrer schrieb später: "Es begann mit dem Choral "0 heiliger Geist, kehr bei uns ein"; eine Anzahl der in diesen Gesängen noch einigermaßen Geübten stimmte, wenn auch anfangs schüchtern, bei, und allmählich ward der Gesang immer voller und schöner. Darauf folgte dann Gebet und die begeisterte Pfingstpredigt, endlich noch ein Gesang sowie das Hauptgebet, und am Schluss freute sich jedermann, weil die Erbauung viel besser gelungen war, als erwartet wurde".

Seitdem war einmal im Monat in Laufenburg evangelischer Gottesdienst, und nachdem Waldshut 1870 einen eigenen Seelsorger erhalten hatte, konnte auf den dringenden Wunsch der Gemeindemitglieder alle zwei Wochen eingeladen werden, dazu kamen zwei Mal im Jahr Abendmahlsfeiern. Die Konfirmanden mussten aber im Winter nach Säckingen laufen, wohl auch nach 1856, als die Eisenbahn am Hochrhein verkehrte, denn kaum einer konnte den Fahrpreis zahlen.

Das Ziel der kleinen Laufenburger Gemeinde war bald ein eigenes Gotteshaus. 1872 wurde deshalb ein Kirchenbaufonds eingerichtet, der Geld für diesen Zweck sammeln sollte. Spenden erreichten diesen Fonds vom Gustav-Adolf-Verein und weiter von den evangelischen Hilfsvereinen in Heidelberg, Pforzheim, Lahr, Freiburg und sowie aus den reformierten Schweizer Städten Basel, Schaffhausen und St. Gallen. Und natürlich von den Einheimischen. Nachdem der Fabrikant Nüßli-Näf das Grundstück an der Markungsgrenze nach Rhina geschenkt hatte - die Kirche steht auf Laufenburger, das spätere Pfarrhaus auf Rhinaer Gebiet -, konnte für 23.000 Mark die schlichte Kirche erbaut werden, die 200 Personen Platz bot. Der Raum mit den rundbogigen Fenstern bildet bis heute das Kirchenschiff. Vor dem Eingang war eine einfache Oberdachung, auf dem Dach ein kleines Türmchen, ein Dachreiter. Am 21. August 1887 konnte hier der erste Gottesdienst gefeiert werden.

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