Evangelische Kirchengemeinde Laufenburg
 
 

Zu unsren neuen Kirchenfenstern und der Neugestaltung des Kircheninnern
Zu unsren neuen Kirchenfenstern und der Neugestaltung des Kircheninnern

Im Jahre 1963 wurde Pfarrer Helmut Bösenecker Nachfolger von Pfarrer Wolfgang Müller und fand u.a. auch eine größere Anzahl anstehender Bauaufgaben vor. Für die Kirchenältestenwahl im Juni 1965 verpflichtete Pfarrer Bösenecker geeignete Kandidaten, mit denen er diese Probleme lösen wollte.
Die im Innern der Kirche beseitigten Schäden durch Feuchtigkeit und Hausschwamm waren erneut aufgetreten und sie erforderten grundlegende Instandsetzungen. Zugleich sollten dabei Veränderungen im Kircheninnern vorgenommen werden, die eine zeitgemäße Verkündigung erleichterten.
Für die zeitgemäße Verkündigung beschloss der Kirchengemeinderat, einen neuen Altar mit Altarkreuz und Leuchtern und einen dazu passenden Taufstein und eine neue Kanzel entwerfen zu lassen. Auf der Kunstausstellung in Öflingen wurde ein Altarkreuz vom Künstler Emil Jo Homolka aus Königsfeld erworben und der Auftrag für die weiteren Entwürfe erteilt. Nachdem der Entwurf allgemeine Zustimmung gefunden hatte, wurde er ausgeführt mit einer neuen Kanzel, nicht mehr über der Gemeinde schwebend, sondern in der Gemeinde stehend, und 1967 wurden am Sonntag Kantate Altar und Taufstein eingeweiht. Damit sollten auch die Empfehlungen des Staatlichen Hochbauamts Schopfheim für die Instandsetzungsarbeiten der Kirche und Veränderungen zur Neugestaltung des Chores in künstlerischer Hinsicht aufgegriffen werden.
Die Neugestaltung des Chorraumes setzte die als vordringliche Maßnahme begonnene Trockenlegung des Mauerwerks und Fußbodens voraus. Sie wurde dringend, weil der Ausbau der Bundesstraße 34 für die Gemeinde Auflagen und darüber hinausgehende Folgen hatte. Vor Vollendung der Straße mussten die Kirche und das Pfarrhaus einschließlich Gemeindesaal im Untergeschoss an die städtische Kanalisation angeschlossen werden. Der Anschluss mit natürlichem Gefälle erforderte eine Verlegung der Rohrleitung unter dem Gehsteig in Richtung Gasthof Bückle von ca. 30 m  bis zum Kanalisationsschacht in der Straße.
Für die Trockenlegung der Kirche wurde ( von der Ost- und Nordseite) eine Drainageleitung verlegt, das Fundament abgedichtet und durch eine Bautenschutzfirma isoliert. Die defekten Zementrohre wurden (an der Nord- und Südseite von Kirche und Pfarrhaus) durch eine neue Steinzeugrohrleitung einschließlich Regenrohr-Sinkkästen ersetzt und hierfür eine wasserpolizeiliche Genehmigung eingeholt.
Erst danach konnte dann als erster Bauabschnitt der defekte Plattenboden durch Travertin-Bodenplatten ersetzt, konnten zur Neugestaltung des Chorraumes die Beleuchtung und die Türen geändert, die Schrift entfernt, die Chorstufen vorgezogen und die Kanzel aufgestellt werden. Ungelöst blieb in künstlerischer Hinsicht noch der Ersatz des Chorfensters.
Eine weitere Auflage im Zuge des Ausbaus der B34 war die Lösung der  Parkplatzfrage, da sich die Parkmöglichkeiten für die Kirchenbesucher durch den Ausbau verschlechtert hatten. Nachdem sich die Pachtverhandlungen mit dem Nachbarn Berberich positiv gestaltet hatten, wurde ostwärts von dem Kirchengrundstück auf unsere Kosten ein Parkplatz für ca. 20 Pkw geschaffen. Leider wurde dieser Parkplatz nach dem Tod von Herrn Berberich zum 31. Dezember 1991 von seiner Tochter gekündigt, weil dort ein Terrassenhaus geplant war. Es war nicht genehmigungsfähig und kam nicht zur Ausführung. Als weitere Maßnahme wurde eine Gasleitung bis an das Pfarrhaus gelegt, um auch weiterhin die Gasversorgung zu ermöglichen.           

Vorerst mussten für die Heizungsanlage  im  Pfarrhaus die Heizraumrichtlinien und für die Heizöllagerung Schutzvorkehrungen entsprechend der Verordnung über das Lagern wassergefährdender Flüssigkeiten umgesetzt werden. Es wurde ein neuer Heizkessel mit Boiler und Ölbrenner beschafft. Außer den erforderlichen Bauarbeiten im Pfarrhaus wurde der im Erdboden gelagerte, einwandige 5.000 Liter-Tank durch einen vor Ort geschweißten 10.000 Liter-Kellertank unter der Garage ersetzt. Damit wurde zugleich auch der defekte Garagenboden erneuert.
Auf den Kunstausstellungen in Öflingen lernte der Kirchengemeindrat durch Vermittlung von Pfarrer Paul Gräb nicht nur den Künstler Emil Jo Homolka kennen, sondern auch Professor Johannes Schreiter aus Frankfurt a. M., der für seine Kirchenfenster berühmt ist. Er hatte die Fenster in der evangelischen Kirche zu Oberkirch entworfen; sie waren ein gutes Beispiel für Laufenburg und überzeugten durch ihre Lebendigkeit. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Chorraumes hat der Kirchengemeinderat 1968 beschlossen, ein neues Chorfenster bei Professor Schreiter in Auftrag zu geben.
Er legte einen Gesamtentwurf für alle Fenster der Kirche vor, ohne eine Verpflichtung für die Kirchengemeinde. In Besprechungen mit dem Kirchengemeinderat in Laufenburg und in Langen bei Frankfurt wurde  daraufhin die Ausführung des neuen Chorfensters zurückgestellt, bis das Geld für alle Fenster zur Verfügung stand und die vordringlichen Renovierungsarbeiten in der Kirche beendet waren. Diese Trockenlegungs- und Kanalisationsarbeiten wurden bis Jahresanfang 1970 weitgehend abgeschlossen und dann der Beschluss gefasst, den Gesamtentwurf von Prof. Schreiter auszuführen und als Wärme- und Lärmschutzmaßnahme die Fenster doppelt zu verglasen.
Aus Kirchensteuermitteln war das alles nicht zu finanzieren. Durch das Karlsruher Kirchensteuerurteil wurden unsere Einnahmen aus der Kirchensteuer so reduziert, dass die Laufenburger Kirchengemeinde künftig für die laufenden Ausgaben auf einen Zuschuss angewiesen war und sogar eingenommene Kirchensteuer zurückerstatten musste. Obwohl die Landeskirche für die Rückzahlungen ein zinsloses Darlehen gewährte und die Kirchengemeinde, damit die Rückzahlung über mehrere Jahre strecken konnte, mussten große finanzielle Schwierigkeiten gemeistert werden. Pfarrer  Bösen-
ecker konnte die Gemeindeglieder über mehrere Jahre hinweg immer wieder zu einer großen Spendenbereitschaft bewegen, sodass die Vielzahl der Probleme abgearbeitet wurde. Später darüber hinaus auch die neuen Anforderungen durch den Kirchenbrand am Sonntag nach Ostern im Jahr 1970.
Nach dem Gottesdienst am Sonntag, dem 5. April 1970, wurde die Kirche durch ein Schadensfeuer stark beschädigt, Totalschaden erlitt die Orgel, schwer beschädigt wurden die Empore, der Dachstuhl sowie die Heizung und die elektrischen Anlagen. Der Innenraum wurde durch Rauch und Wasserschaden stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Feuer entstand durch Fehlbedienung der elektrischen Warmluftheizung. Die beweglichen Gegenstände wie Altar, Kanzel, Taufstein u. a. konnten geschützt und in Sicherheit gebracht werden. Der Inventarschaden (im Wesentlichen die Orgel) betrug rd. 115.000 DM. Wir waren bei der Gothaer Feuerversicherung zum Neuwert versichert. Der Gebäudeschaden wurde von der Badischen Gebäudeversicherung ersetzt.    
Aber vor allem waren die Schreiter-Fenster noch nicht geliefert und eingebaut und somit vor Schaden bewahrt worden. Erst im Zuge der Instandsetzungsarbeiten nach dem Brand wurden die Fenster in der vom Künstler vorgesehenen Reihenfolge eingebaut. Die Einweihung der Kirche und die Orgelweihe geschah nach der Wiederherstellung mit den neuen Kirchenfenstern in einem Festgottesdienst am 16. April 1972.

-Harro Kramer-


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